Wann ist man zu alt fürs Klavierspielen?

Oft hört man Sätze wie „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!“ oder „Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will!“. Verkündet ein erwachsener Mensch, dass er gern Klavier spielen lernen möchte, winken Freunde und Familie oft ab und rufen: „Dafür bist Du doch viel zu alt!“, unabhängig davon, ob der lernwillige Klavierfan 30, 50 oder 70 ist.
Lassen wir aber einmal all diese klugen Sprüche beiseite und sehen uns die Sache genauer an.

Wann ist man nun wirklich zu alt fürs Klavierspielen? Die Antwort lautet: Nie. Das mag jetzt gewagt klingen, aber nehmen wir das Thema näher unter die Lupe, stellen wir fest, dass erwachsene Klavierschüler gegenüber Kindern und Jugendlichen viele Vorteile haben.
Kinder werden oft mehr oder weniger mit sanfter Gewalt dazu gezwungen, ein Instrument zu erlernen. Natürlich ist es sinnvoll, Kindern diese musikalische Entwicklung zu ermöglichen, doch manches Kind sträubt sich so sehr dagegen, dass es jede Klavierstunde als Strafe empfindet.
Nur die wenigsten Kinder erlernen ein Instrument aus freien Stücken. Ein erwachsener Klavierschüler aber will nicht aus Zwang das Klavier spielen erlernen, sondern aus Freude an der Sache, und einer der will, ist stärker als zwei, die müssen!
Ab einem gewissen Alter hat man seine Lebenserfahrung gesammelt, daher weiß man seine Fähigkeiten besser einzuschätzen, ist geduldiger und hat bereits ein gewisses Durchhaltervermögen erlernt. Das sind – neben einem musikalischen Gehör natürlich – beste Vorraussetzungen, um als Erwachsener Klavier spielen zu lernen.

Auch haben erwachsene Klavierschüler den Vorteil, dass sie bewusster lernen als Kinder und ihre Kernkompetenzen kennen. Ist man ein visueller Lerntyp, fällt es leichter, nach Noten zu spielen, als nach dem Gehör. Schülern mit einem ausgezeichneten Gehör für Tonarten und Melodien fällt es dafür oft sehr schwer, die eindimensionale Notenschrift im Kopf in Musik umzusetzen. Dieser Lerntyp lernt besser, wenn er den Lehrer bittet, praktisch zu zeigen, wie einzelne Passagen gespielt werden.
Wer also weiß, wie er am schnellsten lernt, kann seinem Lehrer gegenüber selbstbewusst auftreten und sagen, wie er unterrichtet werden will und welche Lernschritte er sich selbst gesetzt hat, um sich erfolgreich zu fühlen.

Nicht zuletzt will man ja Als Erwachsener Klavier lernen, um Freude an der Musik zu haben. So verfügt man über eine ganz andere Motivation, sich immer wieder zum Üben ans Klavier zu setzen und vielleicht immer wieder die selben Passagen zu üben, bis man sie so fehlerfrei spielen kann, wie man sich das immer erträumt hat.
Kindern fällt er schwer, voraus zu planen und dran zu bleiben, wenn sich nicht ganz schnell Erfolge einstellen. Erwachsene Schüler sind gelassener, dafür aber auch in der Lage, den nötigen Ehrgeiz zu entwickeln. Denn beim Klavierspielen ist es wie bei jeder Kunst – leicht ist es für niemanden, egal wie alt, und jedes Instrument erlernt man nur dadurch, dass man es immer wieder spielt.

Sollten Sie das alles jetzt nicht glauben können – die Autorin dieses Artikels hat mit über 40 angefangen, Klavier zu spielen und beherrscht inzwischen Stücke von Tschaikowski bis Heavy Metal – das können Sie auch!